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Winterreifen-Leitfaden für Deutschland: Gesetzliche Anforderungen, die richtige Reifenwahl und Wechselzeiten

Melissa Ness
Melissa Ness
Veröffentlicht: 28.11.2025
Aktualisiert: 10.9.2026
Winter

Dieser Leitfaden ist die zentrale Anlaufstelle für alles, was Autofahrer in Deutschland über Winterreifen wissen müssen: die geltende Rechtslage, Bußgelder und Kontrollen, die M+S-Kennzeichnung und warum sie nicht mehr ausreicht, die richtige Profiltiefe, und wie sich Winter-, Ganzjahres- und Sommerreifen in der Praxis unterscheiden.

Auf einen Blick

  • Die Gummimischung ist bei Kälte entscheidend: Winterreifen bleiben bei niedrigen Temperaturen flexibel, während Sommerreifen aushärten und an Traktion verlieren.
  • Deutschland kennt kein festes Kalenderdatum. Die Pflicht greift, sobald die Straßenverhältnisse winterlich werden, wobei die meisten Fahrer vorsorglich bereits im Herbst wechseln.
  • Die M+S-Prägung allein reicht seit Ende 2024 nicht mehr aus; als vollwertiger Winterreifen gilt nur, was das Alpine-Schneeflocken-Symbol trägt.
  • Bei nicht vorschriftsmäßiger Bereifung drohen ein Bußgeld, ein Punkt im Fahreignungsregister und eine gekürzte Versicherungsleistung nach einem Unfall, unabhängig von der Schuldfrage.
  • Für die Profiltiefe gilt ein gesetzliches Minimum, der empfohlene Sicherheitspuffer liegt jedoch deutlich darüber; ein Profil nahe diesem Minimum mindert den Wintergrip bereits, bevor es gesetzlich unzulässig wird.

Gesetzliche Grundlage: Winterreifenpflicht in Deutschland

Die Winterreifenpflicht in Deutschland ist in Abschnitt 2, Absatz 3a der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt und an die Straßenverhältnisse gekoppelt, nicht an ein Datum. Sobald Schneeglätte, Eisglätte, Reifglätte oder Schneematsch auftreten, müssen Fahrzeuge mit Reifen ausgestattet sein, die für diese Bedingungen zugelassen sind.

In der Praxis hat sich dennoch die Faustregel „von Oktober bis Ostern" (O-O-O) durchgesetzt, um den Wechsel rechtzeitig vor dem ersten Kälteeinbruch anzugehen, auch wenn der richtige Zeitpunkt zum Wechsel zwischen Winter- und Sommerreifen (öffnet in einem neuen Tab) je nach Region und Witterung im Einzelfall variiert. Da es kein festes Startdatum gibt, ist der sichere Weg, bereits ab Oktober auf schneeflockenmarkierte Reifen zu wechseln; unser Leitfaden zum richtigen Reifenwechsel (öffnet in einem neuen Tab) führt Schritt für Schritt durch den Vorgang.

Bußgelder und Strafen

Wer bei winterlichen Verhältnissen ohne geeignete Reifen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 60 Euro. Kommt es dadurch zu einer Behinderung des Verkehrs, steigt die Strafe auf 80 Euro, zuzüglich einem Punkt im Fahreignungsregister, zum Beispiel in Flensburg. Die Versicherung kann die Leistung nach einem Unfall zudem kürzen, wenn das Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt nicht vorschriftsmäßig bereift war, und das gilt auch dann, wenn Sie selbst keine Schuld am Unfall tragen.

M+S-Kennzeichnung: Warum sie nicht mehr ausreicht

Die alte M+S-Kennzeichnung (Mud & Snow) war lange Zeit das gängige Merkmal für Winterreifen, beruhte jedoch nur auf der Selbstauskunft des Herstellers zum Profildesign, ohne eine geprüfte Mindestleistung. Deshalb verlangt das deutsche Recht heute das 3PMSF-Schneeflocken-Symbol (öffnet in einem neuen Tab).

Für reine M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol gab es eine Übergangsfrist: Modelle mit Herstellungsdatum vor dem 1. Januar 2018 durften bis zum 30. September 2024 weiterhin bei winterlichen Verhältnissen gefahren werden. Diese Frist ist ausgelaufen. Seit dem 1. Oktober 2024 gelten reine M+S-Reifen nicht mehr als zulässige Winterbereifung, unabhängig vom Alter des Fahrzeugs oder der Reifen. Wer aktuell einen Reifenwechsel plant, sollte deshalb gezielt auf das Alpine-Symbol achten und nicht mehr allein auf die M+S-Prägung vertrauen.

Spikereifen: In Deutschland verboten

Spikereifen sind in Deutschland vollständig verboten, unabhängig von der Jahreszeit oder den Straßenverhältnissen. Die Metallstifte beschädigen den Asphalt, weshalb selbst eine vorübergehende Nutzung ein Bußgeld nach sich zieht und im Schadenfall auch die Versicherung gefährden kann.

Profiltiefe: Gesetzliches Minimum und Expertenempfehlung

Für alle Reifentypen gilt in Deutschland eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Bei Winterreifen ist dieser Wert jedoch nur die untere Grenze, nicht die empfohlene: Grip und Bremsverhalten auf Schnee und Schneematsch lassen bereits deutlich vor Erreichen des gesetzlichen Minimums nach. Sicherheitsexperten empfehlen daher, mindestens 4,0 mm Profiltiefe für ausreichenden Wintergrip vorzuhalten und Winterreifen spätestens bei Erreichen dieses Wertes zu ersetzen, auch wenn der Reifen technisch noch zugelassen wäre. Ein regelmäßiger Blick auf das Profil, insbesondere zu Saisonbeginn, lohnt sich unabhängig vom Kalender.

Wie streng wird kontrolliert?

Zur Kontrolle kommt es meist auf zwei Wegen: bei einer regulären Verkehrskontrolle oder im Rahmen einer Unfallaufnahme, wobei die Polizei sowohl die Kennzeichnung auf der Reifenflanke als auch die tatsächliche Profiltiefe prüft. Eine Ausnahme für im Ausland zugelassene Fahrzeuge gibt es nicht. Bei einem Mietwagen in Deutschland statten die meisten Anbieter das Fahrzeug standardmäßig mit Winterreifen für die Saison aus, eine kurze Nachfrage bei der Abholung schadet aber nicht.

Winterreifen, Ganzjahresreifen oder Sommerreifen: Die richtige Wahl

Die Wahl des richtigen Reifentyps hängt stark von der Temperatur ab. Unterhalb von etwa 7 °C verhärtet sich die Gummimischung von Sommerreifen und der Grip nimmt spürbar ab, während Winterreifen mit ihrer weicheren Mischung genau in diesem Bereich ihre Stärken ausspielen.

Ganzjahresreifen liegen dazwischen: Sie bieten ganzjährigen Komfort ohne Wechsel, und ein Modell mit Alpine-Symbol ist damit auch winterlegal, wenn auch bei anhaltendem Schnee und Eis nicht ganz auf Augenhöhe mit einem dedizierten Winterreifen. Auf Bergpässen oder in Regionen mit regelmäßigem Schneefall bleibt ein dedizierter Winterreifen jedoch die sicherere Wahl.

Wer sich noch gar nicht zwischen den Kategorien entschieden hat, findet die Gegenüberstellung von Winter-, Ganzjahres- und Sommerreifen in unserem großen Reifen-Leitfaden 2025.

Von einer Mischbereifung, also unterschiedlichen Reifentypen auf Vorder- und Hinterachse, wird grundsätzlich abgeraten. Das führt zu unberechenbarem Fahrverhalten und kann zugleich gegen die Winterreifenpflicht verstoßen, wenn nicht alle vier Reifen die Anforderungen erfüllen.

Winterreifen für Elektrofahrzeuge

Elektrofahrzeuge belasten Reifen im Winter zusätzlich, durch das höhere Fahrzeuggewicht und das sofort verfügbare Drehmoment beim Anfahren. Deshalb lohnt sich ein Blick auf Winterreifen für Elektrofahrzeuge (öffnet in einem neuen Tab) und speziell getestete EV-Reifen (öffnet in einem neuen Tab), statt einfach auf einen Standard-Winterreifen zurückzugreifen.

Pflege, Lagerung und Lebensdauer

Winterreifen erzielen ihre Leistung durch weichere Gummimischungen, tiefere Profilblöcke und zusätzliche Lamellen, die sich in Schnee eingraben, Wasser verdrängen und so den Kontakt zur Fahrbahn halten. Das Ergebnis sind kürzere Bremswege und ein stabileres Fahrverhalten auf Schnee, Eis und kalter, nasser Fahrbahn.

Winterreifen das ganze Jahr über zu fahren, ist keine gute Idee: Im Sommer verschleißt die weiche Mischung schneller, die Bremsleistung sinkt und der Kraftstoffverbrauch steigt. Der Wechsel zurück auf Sommerreifen im Frühjahr zahlt sich also doppelt aus.

Bei ausschließlicher Winternutzung halten die meisten Winterreifen etwa vier bis sechs Saisons. Neben dem Profil zählt dabei auch das Alter: Nach rund sechs Jahren härtet die Gummimischung aus und verliert an Wirkung, selbst wenn noch genug Profil vorhanden ist. Eine kühle, trockene Lagerung im Sommer hilft, diesen Prozess zu verlangsamen.

Ersetzen sollten Sie Winterreifen, sobald die Profiltiefe sich der 4-mm-Marke nähert, oder früher bei Rissen, Ausbeulungen, Schäden an der Seitenwand oder ungleichmäßigem Verschleiß.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich in Deutschland zu einem bestimmten Datum auf Winterreifen wechseln?

Nein, es gibt kein gesetzliches Datum. Die Pflicht greift, sobald winterliche Straßenverhältnisse auftreten, unabhängig vom Kalender.

Welches Bußgeld droht ohne geeignete Winterreifen?

60 Euro im Normalfall, bei einer Behinderung des Verkehrs steigt es auf 80 Euro plus einen Punkt im Fahreignungsregister, zum Beispiel in Flensburg.

Was passiert, wenn ich mit M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol fahre?

Seit dem 1. Oktober 2024 gelten diese Reifen bei winterlichen Verhältnissen nicht mehr als Winterreifen, was ein Bußgeld nach sich ziehen kann.

Sind Spikereifen in Deutschland erlaubt?

Nein, sie sind vollständig verboten, unabhängig von Jahreszeit oder Wetterlage.

Wie tief muss das Profil bei Winterreifen sein?

Gesetzlich reichen 1,6 mm, für sicheren Wintergrip empfehlen Experten jedoch mindestens 4,0 mm.

Reicht ein Ganzjahresreifen anstelle eines Winterreifens?

Ja, wenn er das Alpine-Symbol trägt. Bei anhaltendem Schnee und Eis bleibt ein dedizierter Winterreifen jedoch meist die leistungsstärkere Wahl.

Kann die Versicherung zahlen, wenn ich keine Schuld am Unfall trage?

Die Versicherung kann die Leistung trotzdem kürzen, wenn das Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt nicht vorschriftsmäßig bereift war, unabhängig von der Schuldfrage.

Wie lange hält ein Winterreifen im Schnitt?

Etwa vier bis sechs Wintersaisons, wobei das Alter des Reifens am Ende oft entscheidender ist als die verbliebene Profiltiefe.

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